Über Sachs

Vor 100 Jahren lief die Serienfertigung der ersten motorisierten Zweiräder bei der Firma Hercules an. Grund genug, auf das motorisierte Jahrhundert der Nürnberger Zweiradmarke zurück zu blicken.
Natürlich kann die Serienfertigung der ersten Hercules Motorräder mit den heutigen Fertigungsmethoden keinesfalls verglichen werden, das Ziel war aber damals das gleiche wie heute: Eine möglichst hohe Stückzahl an Fahrzeugen in möglichst geringer Zeit kostengünstig auf die Räder zu stellen. Die Motorräder Jahrgang 1905 motorradmontage 1929besaßen einen aus der Fahrradfertigung entlehnten und versteiften Rahmen, in den ein zugekaufter belgischer FN-Viertaktmotor montiert wurde. Zwar war dies der Anfang der Motorisierung auf zwei Rädern, der große Durchbruch blieb damals allerdings noch aus ? Probleme mit der Zündung und mangelnde Akzeptanz zwangen das Unternehmen, das Modell um 1907/08 wieder vom Markt zu nehmen. Hercules widmete sich zunächst wieder allein der lukrativeren Fahrradherstellung und sprang erst 1928 wieder auf den Zug der motorisierten Zweiräder auf. Das nun präsentierte Modell K 200 wurde auch prompt ein Verkaufserfolg. Annähernd 6.000 Maschinen ließen sich verkaufen, durch diesen Erfolg beflügelt blieb Hercules der Motorradfertigung treu. Die motorisierte Ära nach dem Zweiten Weltkrieg begann 1949. Einen Namen machte sich Hercules in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre dann mit sogenannten Konfektionärsmotorrädern: Maschinen, bei denen man lediglich das Fahrwerk selbst fertigte und den Motor zukaufte. Eingebaut wurden nun die Zweitakter von JLO und von Fichtel & Sachs. Einen großen innovativen Schritt vollzogen die Nürnberger, als sie bereits frühzeitig den Trend zur Hinterradschwinge erkannten. Während die anderen großen Hersteller noch eisern an der nicht mehr zeitgemäßen Geradeweghinterradfederung festhielten, boten die 1953 herausgebrachten Hercules-Typen 320 und 321 nun eine gehörige Portion Mehr an Fahrkomfort. Zum großen Schlag holte das Unternehmen 1956 aus, denn man zeigte der dahinsiechenden Konkurrenz mit der K 100, dass das Motorrad in Deutschland keineswegs den Todesstoß erlitten hatte, und präsentierte mit der K 100 ein gerade einmal 100 ccm starkes Motorrad. Damit trafen die Herculaner haargenau den Punkt der Bedürfnisse ? die K 100 wurde zum meist verkauften Motorrad Deutschlands und Jedermann bewunderte sie.
Doch das Nürnberger Unternehmen ruhte sich nicht auf diesen Lorbeeren aus ? der nächstek 50 gs Paukenschlag gelang 1963: Mit der erstmals präsentierten K 50 legte man den Grundstein für eine der erfolgreichsten Kleinkrafträder, deren Erfolgsgeschichte in zig Varianten 18 Jahre lang andauerte. Angetrieben durch den Sachs-Motor 50 S, der anfangs mit 4,5, später mit 6,25 und sogar kurzzeitige mit 8,5 PS Leistung eingebaut wurde, mobilisierten die Typen Sport, RS, RE, und RL in zahllosen Ausstattungsvarianten und Farben die Jugendlichen. Für den schmalen Geldbeutel gab es die abgespeckte Version ?Sprint?. Das aus der K 50 entwickelte kleine "Sportbike" war das erste Funbike aus deutscher Produktion.Mit der 1976 vorgestellten knallroten K 50 Ultra gelang das wohl schönste Kleinkraftrad der damaligen Ära, es wurde schnell zum Traum der damals 16-jährigen.
Auch eine Etage tiefer wurde fleißig verkauft: Mofas mit Automatik-Motor, Mokicks im Kleinkraftradlook und das 1975 präsentierte Accu-Bike als Vorläufer heutiger Elektrofahrzeuge. Was in der Nopitschstraße vom Band lief, ließ sich nicht nur in Deutschland hervorragend vermarkten, sondern auch europaweit. In den Nürnberger Süden war Hercules aus der Fürther Straße umgezogen, als der Mutterkonzern Fichel & Sachs die damalige Zweirad-Union kaufte. Lange Zeit liefen baugleiche oder ähnliche Fahrzeuge auch unter DKW, Express und Victoria von den Bändern.
Doch das Zweiradglück war auch Hercules nicht immer hold. Mit dem ersten serienmäßigen Wankelmotorrad W 2000 zeigte man sich ab 1972 zwar sehr kreativ, doch der kommerzielle Erfolg blieb aus.Während das größte Herculesmotorrad am Markt keine Akzeptanz fand, wurde die für die Bundeswehr gefertigte K 125 Military zum wahren Geldsegen.
Im Oktober 2000 übernahmen Mitarbeiter, im Rahmen eines 100jahre_8Management-Buy-Out, schließlich die Überreste der Traditionsfirma in der ehemaligen deutschen Motorradhochburg Nürnberg.Ihnen fehlte es nicht an Mut und Kampfgeist das marode Unternehmen wieder flott zu machen. Die Belegschaft dankte es Ihnen und setzte tatkräftig alle innovativen Ideen (wie z.B. die Entwicklung der MadAss 50) mit ihrem jahrzentelang erworbenen Know-How um. Die Firma SACHS Fahrzeug- u. Motorentechnik GmbH mit Ihrer Marke ?SACHS Bikes?, wie sich das neue und doch alte Unternehmen jetzt nannte, setzte von nun an mehr auf Handelswaren und eine kleinere Motorradfertigung in Nürnberg. Die Fertigungstiefe im Motorradbereich, wie sie noch 25 Jahre vorher praktiziert worden war, ist derzeit leider noch nicht möglich. 2004 ist Sachs-Bikes wieder ein international operierendes Unternehmen.Sachs Bikes hat auch den um die Jahrtausendwende nahezu völlig zusammengebrochenen Exportmarkt neu belebt. Produkte aus Nürnberg werden inzwischen unter anderem in Australien und USA angeboten, und selbst in Japan finden die kultigen MadAss-Fahrzeuge großes Interesse. Im Jahr 2006 wurde das Unternehmen von einem asiatischen Investor übernommen und Corrado Savazzi als neuer Geschäftsführer eingesetzt.   Hoch motivierte Mitarbeiter - die dem Kunden nach dem alten Hercules-Motto "Lieber gleich was Gutes" Top-Qualität liefern - schaffen mit kreativen Ideen ein erfrischend junges Image. Bei so viel Licht gibt es natürlich auch einen kleinen Schatten: Noch können viele Besitzer der früheren Hercules-Zweiräder keinen Bezug zum neuen Firmennamen herstellen. Dabei ist im Prinzip nur der Name neu, denn der alte Geist schwebt nach wie vor auch durch den neuen Standort in Nürnberg/Katzwang.  Die wechselvolle Geschichte des ältesten noch produzierenden Zweiradwerkes der Welt liest sich wie das Drehbuch zu einem guten Film. Mit einem Unterschied: Bei Sachs-Bikes ist der Schlussvorhang noch lange nicht gefallen. Auf in die nächsten 100 Jahre Serienproduktion motorisierter Zweiräder!